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Training Bonn https://training-bonn.de Die Wort- & Klang-Küche, Büro für Journalismus und Kommunikation Mon, 20 Aug 2018 11:56:22 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.8 https://training-bonn.de/wp-content/uploads/2018/07/Sprung-Steg-quadrat-500-150x150.jpg Training Bonn https://training-bonn.de 32 32 #vonwegenmitgemeint und Glottisschlag https://training-bonn.de/2018/02/vonwegenmitgemeint-und-glottisschlag/ https://training-bonn.de/2018/02/vonwegenmitgemeint-und-glottisschlag/#respond Sun, 25 Feb 2018 23:42:38 +0000 https://training-bonn.de/?p=858 Anlass für diesen Blogartikel ist das Anliegen der 80jährigen Marlies Krämer, die vor Gericht darum kämpft, in den Formularen und Briefen Ihrer Sparkasse als Frau angesprochen zu werden. #vonwegenmitgemeint1 Bisher soll sie sich bei den Formulierungen „Kontohinhaber“ und „Kunde“ im generischen Maskulinum „mitgemeint“ fühlen. Diese Form gilt zwar als verallgemeindernd, sie ist aber grammatikalisch eindeutig […]

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Anlass für diesen Blogartikel ist das Anliegen der 80jährigen Marlies Krämer, die vor Gericht darum kämpft, in den Formularen und Briefen Ihrer Sparkasse als Frau angesprochen zu werden.

#vonwegenmitgemeint1

Bisher soll sie sich bei den Formulierungen „Kontohinhaber“ und „Kunde“ im generischen Maskulinum „mitgemeint“ fühlen. Diese Form gilt zwar als verallgemeindernd, sie ist aber grammatikalisch eindeutig männlich. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband argumentiert hinterlistig, dass ja auch eine Schreibweise, die männerliche Kunden und weibliche Kundinnen benenne, der aktuellen Diskussion nicht mehr gerecht werde, seit das Bundesverfassungsgericht das ‚Dritte Geschlecht’ anerkannt habe. Das Landgericht Saarbrücken, das die Klage in erster Instanz abgelehnt hat, hält am „mitgemeint“ fest, es handle sich hier nicht um Diskrimierung, außerdem sei das „eine historisch gewachsene Übereinkunft“.

„Das war doch schon immer so“

Ob wir in Deutschland dieses ausgelutschte Argument, von dem in Debattierclubs und selbst in Rhetorikkursen für Schüler*innen eher abgeraten wird, von juristischer Seite hinnehmen müssen, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Inhaltlich sei nur bemerkt, dass wissenschaftliche Studien längst in unterschiedlichen Settings nachweisen konnten, dass die Verwendung einer ausschließlich männlichen Schreibweise Folgen hat und zwar durchaus diskriminierende:

  • Stellenausschreibungen im generischen Maskulinum halten mehr Frauen von Bewerbungen ab.2

 

  • Im Vorschulalter entwickeln Mädchen und Jungen ein sehr viel breiteres, geschlechtsunabhängigeres Interesse an verschiedenen Berufen, wenn Erwachsene nicht immer nur vom Arzt, Ingenieur oder Automechaniker sprechen.3

 

  • Bittet man Proband*innen, die Namen von Sportlern und Musikern aufzulisten fallen ihnen viel weniger Frauen ein, als wenn auch nach Sportlerinnen und Musikerinnen gefragt wird.4

 

Kund*innen und Kontoinhaber_innen

Vor dem Hintergrund meiner Seminare zu Präsentation und Vorlesen, seien deshalb vor allem zwei Alternativen genannt: die Schreibweise mit Sternchen oder mit Gender_Gap.

Häufigster Einwand: Gut und schön, aber unbrauchbar für das gesprochene Wort.

Die einfache Antwort darauf ist der sogenannte „Glottisschlag“. Es genügt, sich an der Stelle des Sternchens oder Unterstrichs, einen kurzen Stimmlippenverschluss anzugewöhnen, den „Knacklaut“, den wir am Wort- oder Silbenbeginn vor Vokalen sprechen: [ʔ]

Also wie zu Beginn des Wortes Apfel [‘ʔapfl] oder 2x im Wort Osterei [‘ʔo:stɐʔai] oder auch nach mancher Vorsilbe: umarmen [‘ʔumʔarmən].

So werden all jene mit eingeschlossen, die sich bei männlich oder weiblich angesprochen fühlen, beim „dritten Geschlecht“ und sogar jene, für die sich andere noch keine stereotype Schublade oder rosa-hellblaue Farbzuweisung konstruiert haben  😉

 

Übrigens bin ich auch der Meinung: „Gerechte Formulierungen hässlich zu finden, ist kein hinreichender Grund, sie abzulehnen.“ (Artikel von Philippe Wampfler und Manuel Bamert, der erklärt, warum das generische Maskulinum unpräzise ist)

 

Stimmlippen

Zum Abschluss ein Video für jene, die durch Wörter wie „Glottisschlag“ und „Knacklaut“ nicht abgeschreckt, sondern im Gegenteil neugierig werden.

Wer also (noch) nicht weiß, wie es in einem Kehlkopf aussieht, wo dieser ominöse Knacklaut stattfindet, was Stimmlippen überhaupt tun, damit sie Klang erzeugen, und wie es aussieht, wenn sie sich schließen, hier ein tiefer Blick auf genau diese Stelle im Hals  🙂

Viel Spaß

mit Grüßen von Almut Schnerring

 

P.S. Hier der Link zu unseren Workshops zu Geschlechtersensiblem Sprechen und Schreiben

 

(Lautsprecher anmachen nicht vergessen)
Zwischen dem Bild ganz links (hohe Stimme) und ganz rechts (tiefe Stimme) erkennt man z.B. den Unterschied in der Dicke der Stimmlippen.

 


1. #vonwegenmitgemeint ist ein Hashtag auf Twitter, unter dem ich Beispiele sammle, die zeigen, dass das Generische Maskulinum unpräzise ist.
↩

 

2. Domsch, Michel E./Uta B. Lieberum/Roland Hünke: Chancen von Frauen im Bewerbungsprozess. Eine Analyse von 3.400 Stellenanzeigen und eine Telefonbefragung von 140 Unternehmen. I.A.P. Institut für Personalwesen und Arbeitswissenschaft, Universität der Bundeswehr Hamburg 1997.
↩

 

3. Dries Vervecken, Bettina Hannover: Yes I can! Effects of gender fair job descriptions on children’s perceptions of job status, job difficulty, and vocational self-efficacy. In: Social Psychology Nr. 46 (2015), S. 76–92.
↩

 

4. Stahlberg, D., Sczesny, S., & Braun, F.: Name Your Favorite Musician. Effects of Masculine Generics and of their Alternatives in German. In: Journal of Language and Social Psychology, 20(4), (2001), S. 464-469.
↩

 

 

 

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Rückblick zur Session „Stimme-Betonung-Radio“ beim BarCampBonn bcbn18 https://training-bonn.de/2018/02/rueckblick-zur-session-stimme-betonung-radio-beim-barcampbonn-bcbn18/ https://training-bonn.de/2018/02/rueckblick-zur-session-stimme-betonung-radio-beim-barcampbonn-bcbn18/#respond Sat, 24 Feb 2018 23:51:35 +0000 https://training-bonn.de/?p=840 „Betone doch mal mehr!“ Das Stichwort ‚Betonung‘ habe ich gewählt für den Einstieg in meine Session rund um Stimme, Sprechen, Radio, Textarbeit. Das Session-Thema war aus meiner Sicht zu allgemein gewählt, aber es gibt eben auch viel zu wissen und zu erfahren rund ums Sprechen, da wollte ich nicht nur ein Detail, wie z.B. die […]

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„Betone doch mal mehr!“

Das Stichwort ‚Betonung‘ habe ich gewählt für den Einstieg in meine Session rund um Stimme, Sprechen, Radio, Textarbeit. Das Session-Thema war aus meiner Sicht zu allgemein gewählt, aber es gibt eben auch viel zu wissen und zu erfahren rund ums Sprechen, da wollte ich nicht nur ein Detail, wie z.B. die Stimme, rausgreifen. So eine Session kann ja sowieso immer nur einen kurzen Einblick liefern in ein Fachgebiet. Einstieg also mit dem Betonen, denn wenn man dazu ein paar Regeln kennt, ist schon viel gewonnen. Weil der Begriff gern ungenau verwendet wird, erst die Definition vorweg. Was es NICHT heißt: Damit fängt es oft schon in der Schule an, wenn ein Kind langweilig liest, weil es den Text noch nicht erfasst hat: „Beton doch mal mehr“. Und das ist unglücklich gewählt, denn in dem meisten Fälle ist eigentlich gemeint: „Mach doch mal deutlicher, wer spricht! Bring ein bisschen Leben in Deine Stimme, lies nicht so monoton, versuch die Stimmung zu erfassen“ – Zack! Bisschen viel verlangt, das alles umzusetzen mit der mageren Anweisung: „Beton doch ein bisschen mehr!“. Trotzdem hab ich das noch selbst in Erinnerung und meine Kinder haben es jetzt auch wieder aus dem Deutschunterricht erzählt.

Eigentlich ist es mit dem Betonen genau umgekehrt: weniger ist mehr. Und den meisten Lese-Neulingen sage ich: „Beton doch mal weniger!“ Am besten nämlich nur eine Betonung pro Sinneinheit.

Betonung / Intonation

Betont wird das Wort, das neu ist und am meisten Information trägt.

BOMBE gefunden.

= Betonung liegt auf Bombe. Nachricht A: im Generalanzeiger Tag 1, Am Bahnhof wurde eine Bombe gefunden, bis dato hat noch niemand von dem Teil gewusst.

Bombe GEFUNDEN.

= Betonung liegt auf gefunden. Nachricht B: Am Vortag gab es einen Bombenalarm, die Polizei hat den Bahnhof abgesperrt. In der jetzigen Nachricht ist der Fund wichtig, von der Bombe haben wir ja schon gestern gelesen.

 

Grundsätzlich könnte also auf (fast) jedem Wort die Hauptbetonung liegen, der Kontext entscheidet erst, welches die richtige Lösung, ist:

Betone ich HUT, ist klar, dass ich nicht die Mütze meine.

Betone ich NEUER, erkläre ich, gleichzeitig, dass ich irgendwo noch einen alten habe.

Betone ich MEIN, streiten wir grade, du hättest den wohl auch gern?

Betone ich IST, hat vorher jemand behauptet, er sei es NICHT.

Betone ich DAS, hört man den ausgetreckten Zeigefinger: DAS da ist meiner, nicht der da drüben!

 

Betont wird durch folgende Mittel:

  • Lautstärke
  • Den Melodieverlauf (das betonte Wort bekommt eine „Klangspitze“)
  • Möglich ist auch eine Zäsur (kurze Pause) vor dem Wort
  • Oder/und eine Dehnung der betonten Silbe

 

Und betont wird natürlich auch durch nonverbale Mittel.

Körpersprache

Ein lächelndes Gesicht – unabhängig vom Inhalt – macht den Stimmklang heller und offener, die Stimme kommt weiter nach vorn anstatt in der Kehle hängenzubleiben. Beim Text Lesen also unbedingt die Mimik mit einsetzen, egal, ob es jemand sieht oder nicht. Wie soll man Stimmungen vermitteln, wenn man sie selbst nicht nachspürt. Und wie soll man sie spüren, wenn man den Körper nicht dazu einsetzt? Also alles einbringen: Gestik, Mimik, Haltung, Schultern…

 

Subtext

Zweiter wichtiger Aspekt bei der Vorbereitung eines Textes: Wie soll das Publikum die Botschaft einordnen?

„Sie hat einen neuen Pullover“

Ist das was Gutes? Soll ich mich freuen? Oder ärgern? Ist das unverschämt, weil sie mein Geld dafür benutzt hat? Soll ich erleichtert sein, weil sie seit 2 Jahren denselben trägt? Oder neidisch, weil ich auch mal wieder einen neuen… ? Die Vorleserin / der Vorleser interpretiert den Text und erleichtert damit den Zuhörenden das Verständnis. Fehlt der Subtext, muss das Publikum sehr viel mehr leisten, um zu verstehen und seine Bereitschaft, sich auf das Hören einzulassen, wird früher vorbei sein.

 

Stimme

Der Stimmklang entsteht aus dem Zusammenspiel der Stimmlippen, der Atmung, der Körperhaltung und der muskulären Gesamtkörperspannung. Auch die Stimmung beeinflusst unseren Stimm- und Sprechausdruck.

Die Stimme wird als Ausdruck der Persönlichkeit empfunden, sie ist unsere Visitenkarte. In der üblichen Erziehung findet sie so gut wie keine Beachtung, obwohl sie in der Kommunikation eine nicht zu unterschätzende Wirkung ausübt. Jeder Mensch wählt sich (wenn auch unbewusst) seine Stimme selbst. Neues Stimmverhalten kann nicht nur über eine neue Technik erlernt werden, das persönliche Auftreten als Ganzes muss sich verändern. Deshalb ist es zunächst einfacher, neues Stimmverhalten in Übungssituationen anzuwenden; der Transfer in das Alltagssprechen dagegen braucht Zeit.

Die eigene Stimme

Die meisten Menschen glauben, eine ganz andere Stimme zu haben als die, die sie auf Audioaufnahmen (z.B. Anrufbeantworter) von sich hören. Abgesehen von Veränderungen durch die Audiotechnik (schlechtes Mikrofon, schlechte Lautsprecher u.ä.) klingt unsere Stimme für andere tatsächlich anders, weil der Schall nur durch die Luft geleitet wird. Knochenleitungen und die Resonanz des eigenen Körpers führen dazu, dass wir unsere eigene Stimme ‚von innen‘ ganz anders wahrnehmen als sie für andere ‚von außen‘ klingt.

Weitere Punkte, die kurz angesprochen wurden:

Atmung:

Bauch- statt Hochatmung, Zwerchfell-Muskel arbeitet besser/leichter im Stehen als im Sitzen, Atem einteilen (Pausen planen, Zeichen setzen im Text)

Haltung und Muskeltonus:

Knie locker? Schultern tief? Schultergürtel lockern, dehnen…

„Sprechwerkzeuge“ aufwärmen: Kiefermuskel lockern, „Das Dach putzen“ (Zunge am Gaumen entlang vor + zurück bewegen), Zähne mit der Zungenspitze abtasten, Wangen einsaugen + aufblasen, Lippen einsaugen + spitzen + spreizen, Zungenbrecher (über)deutlich sprechen,

Resonanz:

– schwingt der Körper mit, klingt die Stimme voller und angenehmer, ist kräftiger und trägt weiter

– Übungen dazu: summen, brummen, kauen, seufzen

– gähnen mit geschlossenen Lippen und ein rundes ‚m‘ lauten

– Mmmmmh-Klang-Varianten testen mit gedachter, heißer Kartoffel im Mund, vibrieren lassen, so dass Lippen und Nase kitzeln…

Artikulation:

Dazu gibt es hier einen eigenen Artikel mit Hintergrundinfo und ein paar Übungen (inklusive der erwähnten „Pleuel-Übung“).

 

Vielen Dank an alle fürs Mitmachen heute!

Wer mehr davon möchte, ist herzlich eingeladen zu einem meiner Kurz-Workshops am Abend, die ich ca. 1x/Monat in Beuel anbiete mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Alles Gute,

Almut Schnerring

 

Links:

 


 

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Lies doch mal vor – mit MiniWorkshop auf dem #LitcampBN17 https://training-bonn.de/2017/04/litcampbn17/ https://training-bonn.de/2017/04/litcampbn17/#comments Sat, 08 Apr 2017 19:41:05 +0000 https://training-bonn.de/?p=764 Heute war ich auf dem LiteraturCamp Bonn, das erste seiner Art in Bonn und habe einen bunten Tag mit vielen sehr unterschiedlichen Sessions in den schönen Räumen der VHS verbracht. Uschi und Ute, die beiden Hauptorganisatorinnen hatte ich im März schon auf dem BarCamp Bonn kennengelernt und freute mich, die beiden heute wiederzutreffen. Ich war […]

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Heute war ich auf dem LiteraturCamp Bonn, das erste seiner Art in Bonn und habe einen bunten Tag mit vielen sehr unterschiedlichen Sessions in den schönen Räumen der VHS verbracht.

Uschi und Ute, die beiden Hauptorganisatorinnen hatte ich im März schon auf dem BarCamp Bonn kennengelernt und freute mich, die beiden heute wiederzutreffen. Ich war knapp dran, die Logik der Unlogischen: hab’s ja nur 10 Minuten mit dem Fahrrad,  nur mal eben über die Brücke, dann kann ich ja spät los… 🙄


 

Also rein, Treppe hoch, Umhänger-Namenschild bekommen und rein zur Begrüßung, Einführung, Vorstellung, Hashtags überlegen 🙂

Ich fand’s nicht so glücklich, für die 3 Stichwörter vorzugeben, wie man sich vorstellen soll. Die Idee war zwar nett:

  1. Literatur interessiert mich, weil…
  2. Ich lese gerade…
  3. Mich beschäftigt gerade…

(immerhin habe ich ein paar Buchtitel erfahren, die mich neugierig gemacht haben), aber sie hat zu einer langatmigen Vorstellungsrunde geführt, das bremst dann gleich zu Beginn schon aus. Allerdings ist das generell ein Problem bei BarCamps. Gut deshalb, wenn eine Person den Anfang macht, die gleich vorführt, was „kurz“ bedeutet 🙂

Dann kam die Sessionplanung (trotzdem wirklich viele BarCamp-Neulinge im Publikum waren, entstand gleich eine lange Schlange derer, die ein Thema für eine Session anbieten wollten – toll!) und ich hatte mir gleich ein paar interessante Themen notiert, hier in meinen eigenen (Notiz-)Worten, die Titel lauteten dann am Ende etwas anders:

  • Wie eine gute Figur für einen Roman schaffen
  • WordPress schneller machen, auch ohne plugins
  • Kreatives Schreiben
  • Netzwerken für Autoren
  • Chancen für Autoren bei Verlagen…
  • „einfache“ Sprache, Kommunikation für alle
  • Autismus, was ist dran an meinen Vorurteilen
  • Autor und Lektor, ein Drama in 3 Akten
  • Improvisationstheater

… es gab noch viele mehr, aber diese hatte ich mir notiert, war für mich schon Angebot genug, mehr als zu schaffen ist.

Ich war zuerst bei Susanne Kasper @literaturschock zum Thema WordPress Absichern. Und ab jetzt werde ich schneller hinterher sein, meine Updates gleich zu machen, … muss gleich mal schauen, ob ich ungenutzte Themes und Plugins hier rumliegen habe. Habe mir noch so einige Tipps mitnehmen können – Danke dafür!

Session mit @literaturschock

Dann war ich bei zum Gags Schreiben. Nach einer kurzen Einführung und acht Regeln und Herangehensweisen fürs Gag-Schreiben (Die Pointe gehört nach hinten!, Übertreibung, Untertreibung, Umkehrung…) sollten wir selbst einen erfinden. Einfach drauf losschreiben, war der Auftrag. Ich habe zwar auch eine A5-Seite gefüllt, fand aber danach nichts Lustiges darunter, und doch gab es einige Lacher – Fazit: nicht so selbstkritisch sein  ¯\_(ツ)_/¯ . Andere hatten es aber tatsächlich ganz gut hinbekommen so auf die Schnelle einen Gag aus dem Nichts zu fischen.

In der Mittagspause dann Kontakten beim Kartoffel-Karotten-Suppe Essen.


 

Danach hatte ich meine eigene Session, ein Mini-Einblick in meine Vorlesen-Workshops, eine  kurze Runde zum Thema Stimme und Betonung.

Netterweise gab es eine ganze Reihe von Tweets, Teilnehmende haben Fotos gemacht, und so kann ich hier einen kleinen Rückblick einfügen; ich habe die Posts in einem „Twitter-Moment“ zusammengefasst (ist mein erster Versuch, bin gespannt, wie sich das einbetten lässt. Wer bei Twitter ist und das Tool noch nicht kennt, <hier> steht mehr darüber).


 

Im Anschluss habe ich eine Session ausgesetzt, weil ich mit so vielen Leuten gesprochen habe und dann war’s schon 16 Uhr, Zeit für die letzte Session. Die habe ich bei Axel von @TheaterImpro verbracht, was mir als Abschluss grade recht kam: nicht mehr sitzen sondern mehrere kurze Improvisations-Theater-Spiele zum Kennenlernen: unterschiedliche Arte zu gehen, sich zu begegnen, Blickkontakt aufzunehmen mit hohem bzw. tiefem Status – diese Übungen baue ich auch in meine Seminare zur Körpersprache ein. Dann aus  unterschiedlichen Posen die ersten Anfänge einer Geschichte erfinden…  – kurzweilig und immer ein nettes Gruppenerlebnis.

 


 

Und dann war’s auch schon fast wieder vorbei. Zurück zur Abschlussrunde mit einer Zusammenfassung des Tages in Form von kurzen Impro-Theater-Stückchen 🙂
Und dann noch die Verlosung, bei der es u.a. auch einen Platz in meinem nächsten Workshop zu gewinnen gab. Freue mich, @JZipperling am 26.April in Bonn-Vilich bei frei-raeume.net wiederzusehen 🙂

 

Und ich freue mich, dass es schon so gut wie feststeht, dass es ein nächstes, zweites Literaturcamp Bonn 2018 geben wird.

Vielen Dank an das Orga-Team und bis zum nächsten Mal!

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Rückblick aufs Seminar ‚Vorlesen‘ https://training-bonn.de/2017/01/rueckblick-aufs-seminar-vorlesen/ https://training-bonn.de/2017/01/rueckblick-aufs-seminar-vorlesen/#respond Fri, 06 Jan 2017 18:10:39 +0000 https://training-bonn.de/?p=692 Mit einer Gruppe aus Lesepaten, Erzieherinnen, Pflegern und Kulturschaffenden habe ich im Dezember ein Tagesseminar zum Thema ‚Vorlesen‘ durchgeführt. Hier ein paar Einblicke.   Was heißt überhaupt „gut vorlesen“? Was gehört dazu? Schritt 1: Kriterien sammeln um von einem allgemeinen Feedback, Motto „Joaa, ich fand das eigentlich echt gut gelesen“ zu einer detaillierteren Rückmeldung zu […]

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Mit einer Gruppe aus Lesepaten, Erzieherinnen, Pflegern und Kulturschaffenden habe ich im Dezember ein Tagesseminar zum Thema ‚Vorlesen‘ durchgeführt. Hier ein paar Einblicke.

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dscn0320-kopie
„Das A bis Zett des guten Vorlesens“

 

Was heißt überhaupt „gut vorlesen“? Was gehört dazu?

Schritt 1: Kriterien sammeln

um von einem allgemeinen Feedback, Motto „Joaa, ich fand das eigentlich echt gut gelesen“ zu einer detaillierteren Rückmeldung zu kommen, die konkret weiterhelfen kann. Das A bis Zett des guten Vorlesens:

Schritt 2: Mal hören lassen

und weiter sammeln. Alle haben ein Stückchen aus einem mitgebrachten Buch, Artikel, Zeitschrift vorgelesen und wir haben weiter zusammengetragen, was es braucht, damit eins dscn0321gerne zuhört. Was lenkt ab, was macht das Zuhören leicht?

 

 

 

 

 

Schritt 3: Stimme …

Wer klingt wie und was macht das mit denen, die zuhören? Lässt sich am Stimmklang etwas ändern? Muss das überhaupt? Und was tun, wenn es im Hals kratzt?

  • Trinken
  • lieber ein Mal richtig Husten, als ständig nebenbei Räuspern. Räuspern reizt und löst oft noch mehr Räuspern aus, schließlich haben die „Schleim“häute ihren Namen nicht umsonst. (Übrigens: Das Wort ‚räuspern‘ kommt vom mittelhochdeutschen ‚riuspern‘ = (im Halse) kratzen)
  • Den Hustenreiz wegsprechen. Weitersprechen und den Frosch mit voller Stimme „abschütteln“

Funktioneller Übertrag

Hohe Muskelspannung oder Räuspern ist nämlich ansteckend (sog. „Funktioneller Übertrag“ oder „Funktioneller Nachvollzug“). Das heißt, wer konzentriert zuhört, ahmt unbewusst die Muskelarbeit der/des Sprechenden nach. Ähnlich wie sich die Atmung und der Herzschlag beim Publikum eines Konzertes ähnelt, weil sich alle auf dieselbe Musik einlassen. Wenn also die Vorleserin einen Frosch im Hals hat, kann es sein, ihr Publikum beginnt, sich an ihrer Stelle zu räuspern. Ein Vorleser, der mit starker Anspannung seiner Sprechmuskulatur liest, schafft sich damit unter Umständen ein gestresstes, früh angestrengtes und unkonzentriertes Publikum. Von der Idee her ganz lustig, in der konkreten Situation leider gar nicht. Deshalb ein paar Übungen zur Stimmbildung: von der Körperhaltung (sitzend oder stehend lesen?) über die Atmung, zum Summen, Brummen, Tönen und Klingen.

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Schritt 4: … und Artikulation

Ein paar Übungen und Hintergrundinfos zum deutlicheren Sprechen, wir haben gemeinsam an Lauten, Sätzen und Zungenbrechern geübt (-> Tipps zur Aussprache)

buchstaben-papier

 

Schritt 5: Intonation

Wie betont man denn eigentlich? Welche Mittel haben wir dazu zur Verfügung? Und welch unterschiedliche Vorstellungen davon tragen viele seit dem Deutschunterricht mit sich herum, als die Lehrerin sagte: „Betone doch mal mehr!“ Ist weniger mehr? Oder hilft viel viel? Oder ging es der Deutschlehrerin nicht eher um den Subtext (s.Schritt 6)?

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  • Andere Betonung = andere Satzbedeutung
  • Betont wird, was für den Hörer / die Hörerin neu ist.
  • Eine Betonung pro Sinneinheit.
  • Je mehr Information ein Wort enthält, umso wahrscheinlicher wird es betont.
  • Das letzte mehrerer betonter Wörter im Satz bekommt den Hauptton.

 

Schritt 6: Subtext

Wird die Botschaft zwischen den Zeilen vergessen, klingt der vorgetragene Text langweilig und das Publikum muss selbst herausfinden, ob das Gelesene ärgerlich ist, oder doch eher anzuzweifeln? Oder ist es amüsant, oder vielmehr erstaunlich? Wer sein Publikum damit beschäftigt, sich den Sinn eines Textes selbst zu erarbeiten, wird also schnell seine Aufmerksamkeit verlieren. Das Bild im Kopf, das Kopfkino kann erst dann scharf und detailreich werden, wenn auch die Person, die vorliest, ein Bild vor Augen hat, und weiß, was sie vermitteln möchte. Das lässt sich schon an einem einzigen Wort oder Ausruf üben:

Ach so! klingt auf eine bestimmte Weise, wenn Frau Föhr es höflich sagt, während Herr Hoist ihr etwas erklärt, das sie doch sowieso schon weiß. Es klingt aber ganz anders, wenn er ihr etwas zuflüstert, das sie unheimlich spannend findet. Und es klingt noch einmal anders, wenn er sie auffordert etwas zu tun, sie aber völlig ratlos ist, wie sie es umsetzen soll.

Schritte zwischendurch

Und neben all diesen Punkten haben wir diskutiert: Welche Bücher eignen sich zum Vorlesen? Was ändert sich, wenn das Publikum aus Kindern besteht? Mit Mikrofon lesen, wenn die Gruppe groß ist? An einem Tisch sitzen oder im Stehen lesen? Aus einem Buch oder von einem Blatt? Welche Hilfszeichen erleichtern das Lesen?

Fazit: Ein Tag ist prima, um reinzukommen, eigenen Angewohnheiten auf die Schliche zu kommen, Feedback von anderen zu erhalten. Er ist zu kurz, um sich mit mehreren Texten und für verschiedene Zielgruppen auszuprobieren, aber er liefert viel Inspiration und Anhaltspunkte, um sich selbst weiter mit dem Thema Vorlesen zu befassen.

Interessiert? Unser ‚Vorlesetraining‚ können Sie buchen.

Als 3 Stunden-Workshop, als 1- oder 2-tägiges Seminar

Kontakt: mail – ät – training-bonn – punkt – de

 

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Rückblick aufs Seminar ‚Körpersprache‘ https://training-bonn.de/2016/04/rueckblick-aufs-seminar-koerpersprache/ https://training-bonn.de/2016/04/rueckblick-aufs-seminar-koerpersprache/#respond Thu, 14 Apr 2016 12:37:37 +0000 https://training-bonn.de/?p=613 Letzte Woche fand in Koblenz mein 2-tägiger Workshop ‚Körpersprache, Auftritt und Wirkung‘ statt. Wir waren in den schönen Räumen der Sportschule Oberwerth mit Wintergarten und Rheinblick. Zwei Tage lang drehte sich alles um nonverbale Botschaften und die individuelle Wirkung, das Sprechen mit Händen und Füßen. Also wohin mit den Händen beim freien Sprechen? Wieviel Gestik ist […]

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Letzte Woche fand in Koblenz mein 2-tägiger Workshop ‚Körpersprache, Auftritt und Wirkung‘ statt.

Wir warenvideo in den schönen Räumen der Sportschule Oberwerth mit Wintergarten und Rheinblick. Zwei Tage lang drehte sich alles um nonverbale Botschaften und die individuelle Wirkung, das Sprechen mit Händen und Füßen.

Also wohin mit den Händen beim freien Sprechen? Wieviel Gestik ist angebracht? Hat der Blickkontakt Einfluss auf das Sprechen? Stichwortzettel nutzen oder frei sprechen? Hin und her gehen? Wo stehen? Distanz und Nähe, Kontakt zum Publikum? Wo liegt die goldene Mitte?

Und überhaupt, wie wirkt das, was sich einzelne im Laufe der Berufsjahre angewöhnt haben auf die anderen TeilnehmerInnen der Gruppe.

feedback

Übungen aus dem Schauspieltraining, Bewegung im Raum, zu zweit, alleine, vor der Gruppe und im Gespräch.

Natürlich kam auch die Merkel-Raute vor, wir haben aber auch „das Fäustchen“, „das Spitzdach“, „den Igel“, „die Tüte“ als Gesten im Vortrag identifiziert und größesupergluenteils wieder verworfen und  stattdessen individuelle sog. Beat-Gesten bevorzugt  🙂   (Bewegungen, die eng an den Rhythmus der Sprache gebundenen sind und Wichtiges hervorheben)

Alles in allem waren es zwei kurzweilige Tage mit ausführlichem Austausch, Feedback, nonverbalen lustigen Experimenten und vielen Eindrücken.

 

feed

 

körpersprache1

körpersprache2

 

 

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deutliche Aussprache? Übungen zum Artikulationstraining https://training-bonn.de/2016/04/595/ https://training-bonn.de/2016/04/595/#comments Tue, 05 Apr 2016 10:54:15 +0000 https://training-bonn.de/?p=595 Der kleine plappernde Kaplan klebt poppige Pappplakate an die klappernde Kapellwand. Schbreschn, Babbeln, Schnacken, Schwätza … Aussprachetraining ist vorrangig ein Thema für Menschen, die an Mikrofonen sprechen, die sich öffentlich an ein überregionales Publikum wenden und verstanden werden wollen, beziehungsweise mit ihrer Art zu sprechen nicht vom Inhalt ablenken möchten. Mit dem einen oder anderen […]

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Der kleine plappernde Kaplan
klebt poppige Pappplakate
an die klappernde Kapellwand.

Schbreschn, Babbeln, Schnacken, Schwätza … Aussprachetraining ist vorrangig ein Thema für Menschen, die an Mikrofonen sprechen, die sich öffentlich an ein überregionales Publikum wenden und verstanden werden wollen, beziehungsweise mit ihrer Art zu sprechen nicht vom Inhalt ablenken möchten. Mit dem einen oder anderen Dialekt oder Akzent kann das schon passieren, aber letztlich überzeugen Sprecher*innen doch vor allem mit ihrer Persönlichkeit. Und da gehören Sprechweise und Herkunft ganz klar dazu. Ziel sollte also nie sein, sich einen Dialekt ‚abzutrainieren‘, sondern im Mittelpunkt steht die Verständlichkeit. Es spricht sowieso alles dafür, den Dialekt zu behalten und die hochdeutsche Aussprache DAZUzulernen, warum eins hergeben anstatt eine zweite Variante zu gewinnen 🙂

helge+udo
Udo Zepezauer + Helge Thun

Und weil so viele Bühnenmenschen selbst ihr Sprechen trainiert, an ihrer Aussprache gefeilt und viele Übungen selbst ausprobiert, darüber gelacht haben, spielen sprecherzieherische Themen immer wieder in Nummern und Programme hinein, zum Beispiel bei der Tübinger Comedy Stube, ‚Zypern‘: „Helge und Udo mit einem neuen, hochprozentig-hochgeistigem Gespräch unter erschwerten logopädischen Bedingungen“.

 

Das Problem der Zischlaute ist kein Neues. Mit Zypressen und mehr noch mit dem ‚th‘ kämpfte auch Evelyn Hamann als Sprecherin, für die Loriot ihr einen dankbaren Text geschrieben hatte. Die Arme verhathpelt sisch in der langen Beschreibung des sechzehnteiligen englischen Fernsehkrimis „Die Zwei Cousinen“. Was bisher geschah:

 

Dagegen hilft natürlich zum einen, schon beim Texten auf Machbarkeit zu achten. Aber es ist auch eine Frage der Übung und der Beweglichkeit von Zunge, Lippen, Unterkiefer, wie oft wir stolpern und straucheln beim Sprechen. Wer Morgens aus dem Bett heraus direkt in eine Präsentation stürzt, noch ohne ein klares Wort mit dem Nachbarn oder der Busfahrerin gesprochen zu haben, hat es auch im Vortragen schwerer. Aufwärmen, Einsprechen und richtig Ankommen hilft, wie beim Sport.

 

Ausspracheübung: Zungenbrecher

Auch Rene Marks Frosch weiß Abhilfe. Er gibt dem Maulwurf Nachhilfe in Sachen Sprecherziehung:

 

Tatsächlich können Zungenbrecher eine Hilfe sein ( >> eine Sammlung von A-Z bei Wikiquote) Nur vielleicht nicht gerade fünf Minuten vor Beginn, wenn der Adrenalinpegel sowieso schon hoch ist, sondern in unspektakulären Momenten, eben wenn keiner zuhört, es um nichts geht. Man sollte es nur nicht übertreiben mit der Präzision, kein Mensch hört gern überkorrekten Sprecher_innen zu. Lieber ein bisschen zu genuschelt als zu verkrampft-perfekt.

 

„I’m a thistle-sifter“

Wenn es um Sprecherziehung, Rhetorik und Kommunikation geht, darf auf keinen Fall der Film „The King’s Speech“ von 2010 mit Colin Firth und Geoffrey Rush fehlen. Coling Firth in der Rolle des britischen Königs George VI und Geoffrey Rush als Lionel Logue, Sprechtherapeut und Freund des Königs, der von Kindheit an stotterte. Der Enkel von Lionel Logue hatte dessen Briefe und Tagebücher aufbewahrt. Und auch Notizen mit Details aus den zeitweise täglichen Sitzungen mit dem König. Tollster Fund war eine Kopie der Rede, in der George VI 1939 seinem Volk den Krieg mit Deutschland mitteilen muss. Es war seine wichtigste Rundfunkansprache, deren Vorbereitung und Einstudieren auch im Film eine entscheidende Rolle spielt. In den mit mechanischer Schreibmaschine getippten Buchstaben finden sich Pausenzeichen und Betonungen.

 

 

Die Sprecherziehung steckte zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch in ihren Anfängen. Bevor George VI auf Logue trifft, bekommt er nutzlose Tipps, so solle er viel rauchen, das würde den Hals lockern. Oder den Mund voll Kieselsteine nehmen beim Üben. Und dann wieder gehören viele der gezeigten Lockerungs- und Summübungen auch heute zum Aufwärmprogramm vieler SängerInnen und SprecherInnen.

 

Die Pleuel-Übung

Leider hat Lionel Logue wenig über seine Methoden notiert. Hier haben auch die Schauspieler*innen ihr Wissen und ihre Erfahrung mit eingebracht, sie werden selbst viele Übungen und Varianten zu den Themen Stimmbildung und Aussprache erlebt haben im Lauf ihrer Ausbildung 🙂 Manche davon sind gewöhnungsbedürftig, ihr Sinn erschließt sich oft erst, wenn man sich länger mit dem Thema befasst hat. Dazu gehört meiner Ansicht nach die sogenannte „Pleuel-Übung“.

Für die ersten Versuche empfehle ich einen Moment ohne Zuschauer_innen und mit Abstand zum Fenster, denn wer nebenbei noch auf Außenwirkung bedacht ist, verfehlt den Effekt der Übung. Sowieso sollte, wer bei der Stimmbildung hofft, hübsch auszusehen, besser auf Schreibübungen umsteigen. Schließlich steht das Klangbild im Fokus, was fürs Ohr, weniger fürs Auge.

Anleitung:  Bei der Pleuelübung wird die Zungenspitze hinter den unteren Schneidezähne platziert. Dann den Mund öffnen und den Zungenrücken, den mittleren Teil der Zunge also, mehrmals weit nach vorne aus dem Mund wölben, um ihn dann wieder weich in die Ausgangsposition zurückfedern zu lassen. Eine Dehnübung, die den Zungenmuskel lockert und dafür sorgt, dass im Anschluss die Zunge ein kleines bisschen weiter vorn im Mund liegt und sich der Klangraum vergrößert, Vokale voller klingen.

Größerer Raum bedeutet mehr Resonanz, mehr Vibration, größere Tragfähigeit der Stimme. Aber auch deutlichere Artikulation zum Beispiel des r-Lautes. Der wird in manchen Dialekten weit hinten im Rachen gesprochen, im Hochdeutschen dagegen weiter vorn im Mundraum. Süddeutsche, die ihr [r] nach vorne holen wollen, haben deshalb ihre Mühe mit Wörtern wie Bruder, Vater, Mutter, da sie die Endung dieser Wörter gerne im Rachen verschwinden lassen und ‚verschlucken‘. Gerade Wörter mit Vokal plus nachfolgendem <r> sind gut geeignet, den Klang der r-Laute zu üben, mein liebstes ist ‚Sportreporter‘ 🙂 Die Pleuelübung hilft dabei, klappt aber nicht unbedingt allein, so wie alle Stimmarbeit besser funktioniert, wenn sie von einer Logopädin, einem Sprecherzieher oder StimmbildnerIn begleitet wird, der/die einem Rückmeldungen über den erzeugten Klang geben und die nächste passende Übung empfehlen kann.

 

lieber kein Korkensprechen

Bei anderen Übungen ist der Weg zum Erfolg kürzer, hier tritt der Effekt so schnell ein, und ihre Wirkung ist so offensichtlich, dass klar wird, warum sich ungeübtes Sprechen oder Vorlesen so anders anhört, als wenn es eine gelernte Sprecherin, ein Schauspieler übernimmt.

Die am weitesten verbreitete Übung, die Sprecherzieher_innen nachgesagt wird, ist das Korkensprechen. korkWenn das die Vorstellung ist, die sich manche vom Sprechunterricht machen, dann ist es kein Wunder, dass sie gar nicht erst hingehen. Tatsächlich wird die Aussprache nicht deutlicher, wenn man sich einen Korken in den Mund steckt. Vom Zustöpseln wird das Sprechen nicht deutlicher, Zustöpseln ist ja genau das Gegenteil dessen, was erreicht werden soll. Was aber hilft, ist, sich den Korken (in meinem Unterricht gibt’s allerdings keine Korken, den kann jeder/r gut durch den eigenen Daumen ersetzen) an die obere Zahnreihe zu drücken und dann samt diesem Hindernis und an ihm vorbei zu sprechen. Der Unterkiefer muss dafür also frei beweglich bleiben. Es hört sich komisch an – bilabiale Laute zum Beispiel, m, p, b funktionieren nicht mehr so wirklich, auch das /s/ klingt nicht sauber – aber darum geht’s nicht, sondern die Übung sorgt dafür, dass mehr Raum im Mund entsteht und Unterkiefer und Zunge beweglicher werden. Wegen des Daumens/Korkens müssen wir plötzlich sehr viel mehr ‚arbeiten‘, damit noch ein halbwegs verständlicher Satz dabei herauskommt. Und wer jetzt, direkt im Anschluss, ohne Korken weiterspricht, kann spüren und hören, dass sich etwas verändert hat, dass der Stimmklang offener die Aussprache klarer geworden ist.

 

Wir sprechen keine Buchstaben

anlaut

Bei allem ‚richtig‘ sprechen Üben: verlieren Sie nicht aus den Augen bzw. Ohren, dass wir keine Buchstaben sprechen, sondern Laute. Dass die Buchstaben nur eine Annäherung an das sind, was wir sprechen, und dass sie das gesprochene Wort nur in etwa abbilden können. Es gibt viele Varianten, den Buchstaben <s> in einen Laut zu übersetzen, die Zuhörer*innen sind gut im Zuordnen und erkennen meist, was gemeint ist. Kinder gehen vom Laut aus, sie kommen gut klar damit, dass es “SCH-ule” heißt und nicht “SK-hule”. Erst der erwachsene Wunsch nach Buchstabentreue bringt sie aus dem Tritt. Dabei wäre es aus sprachlicher Sicht auch korrekt “Tsahn” zu schreiben statt <Zahn>, “Eidäxe” statt <Eidechse>. Es spricht also aus sprecherzieherischer Sicht überhaupt nichts gegen Anlauttabellen in der ersten Klasse, die Frage ist mehr, wie im konkreten Fall damit gearbeitet wird. Die geschichtlichen Hintergründe dazu hat Andreas Wolf in seinem interessanten Artikel ‚Ueber das correcte buchstabiren‘ zusammengefasst, denn „die Lautiermethode des Lesenlernens ist älter als der Orthographiezwang“.

 

Wer sich für Übungen dieser Art interessiert, Spaß hat am Experiment von Wort & Klang ist herzlich eingeladen zu einem unserer offenen Seminare (aktuelle Termine *hier*),  zum Beispiel zum Workshop am Abend „Lies doch mal vor!“ auf der Burg Lede.

 

Mit vielen Grüßen aus der Wort & Klang Küche

Almut Schnerring

 

 

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Rückblick zum Beatbox-Workshop in Siegburg https://training-bonn.de/2016/03/rueckblick-zum-beatbox-workshop-siegburg/ Fri, 18 Mar 2016 11:51:52 +0000 https://training-bonn.de/?p=578 Workshop – Human Beatboxing 15.3.2016 in Siegburg Grundsetting-Schlagzeug: Base-Drum: P oder B oder D(un) oder M HiHat: Ts oder S SnareDrum: eigentlich Pf, aber für Kinder in der Kombination leichter zu artikulieren: K In einem zweiten Schritt haben wir versucht, durch die Nase zu summen und mit Lippen, Zunge und Zähnen einen Rhythmus zu erzeugen. […]

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Workshop – Human Beatboxing

15.3.2016 in Siegburg

  • Grundsetting-Schlagzeug:
    Base-Drum: P oder B oder D(un) oder M
    HiHat: Ts oder S
    SnareDrum: eigentlich Pf, aber für Kinder in der Kombination leichter zu artikulieren: K
  • In einem zweiten Schritt haben wir versucht, durch die Nase zu summen und mit Lippen, Zunge und Zähnen einen Rhythmus zu erzeugen. (Am Nachmittag hat das dann auch gut geklappt 🙂
  • Übung zu dritt: Jede*r übernimmt ein Instrument, einen Laut: P – Ts – K – Ts … und jetzt einen Rhythmus in verteilten Rollen sprechen.
  • Übung zu zweit: Einen Satz, eine Wortkombination rhythmisieren. Mein Beispiel war „Achtung, ’ne Pfütze, da ist ’ne Pfütze“.
  • Übung in zwei großen Gruppen: Kanon mehrstimmig singen und dazu ein Rhythmus-Bett beatboxen.
  • Zum Abschluss haben wir noch ein wenig gegroovet und die rhythmische Macht und Vielfalt der Gruppe erfahren.

 

Links, Buch- und CD-Tipps zum Weitermachen, Recherchieren, Eintauchen:

  • Andreas Kuch & Indra Tedjasukmana:
    Beatbox Complete. Das Lehrbuch für Unterrichtspraxis und Selbststudium.
    Hebling-Verlag. ISBN 979-0-50202-924-1. 24,90 €
  • „Was müssen das für Bäume sein …“ – 25 Kanons für Kinder
    >hier< zu bestellen (mit Hörproben)
  • 9783854454793-20150518-101420Verlan, Sascha und Loh, Hannes: 35 Jahre HipHop in Deutschland. Hannibal Verlag. November 2015. ISBN 3854454791. – Gibt’s z.B. >hier<

 

 

 

Und zum Schluss noch ein paar Namen grandioser Beatbox-Gruppen und Einzelkünstler*innen:

  • Bauchklang, Wien
  • YeoMen, Berlin
  • Vocal Sampling, Cuba
  • Jurczok 1001, Zürich
  • Pheel, Stuttgart
  • Butterscotch, USA
  • Project Trio, USA (Greg Patillo: Beatbox & Querflöte)

 

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„Lies doch mal vor!“ – Workshopankündigung 28.4.16 https://training-bonn.de/2016/03/lies-doch-mal-vor-workshopankuendigung/ Thu, 17 Mar 2016 12:54:43 +0000 https://training-bonn.de/?p=569 Workshop in der Bibliothek der mittelalterlichen Burg Lede Der nächste Workshop am Abend wird am Donnerstag, 28. April von 20 bis 22h stattfinden. Bringen Sie gerne einen Text mit, an dem Sie üben wollen. Details zum Inhalt des Workshops >hier<. Beim letzten Mal kam die Frage auf, ob wir den Schwerpunkt nicht einmal auf das […]

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Workshop in der Bibliothek der mittelalterlichen Burg Lede

Der nächste Workshop am Abend wird am Donnerstag, 28. April von 20 bis 22h stattfinden. Bringen Sie gerne einen Text mit, an dem Sie üben wollen. Details zum Inhalt des Workshops >hier<.

Beim letzten Mal kam die Frage auf, ob wir den Schwerpunkt nicht einmal auf das Thema Stimme legen könnten. Wenn alle Anwesenden einig sind, würden wir die Bücher beiseite legen und uns mehr um Stimmlage, Stimmklang, Heiserkeit, Räuspern und Atempausen kümmern. Denkbar wäre außerdem, einen der folgenden Termine, z.B. im September, gemeinsam mit einer Logopädin zu organisieren. Bringen Sie Ihre Fragen und Anregungen mit, dann überlegen wir gemeinsam.

Mit vielen Grüßen und bis zum 28. April, 20 Uhr auf der Burg Lede.

Almut Schnerring

 

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Wenn eine Sprache nicht reicht – SWR2 Radiofeature https://training-bonn.de/2016/01/wenn-eine-sprache-nicht-reicht/ Wed, 13 Jan 2016 22:17:34 +0000 https://training-bonn.de/?p=525 Codiertes Sprechen in Dichtung und Alltag Feature von Almut Schnerring und Sascha Verlan SWR2 am 19. Januar 2016, 22-23 Uhr Akrostichon, Palindrom, Anagramme und adamische Sprachen – die Geschichte der Dichtkunst, insbesondere der Lyrik ist voller verborgener, verschlüsselter Botschaften. Aber auch im alltäglichen Sprachgebrauch haben Menschen immer wieder Systeme und Strategien entwickelt, um ihre eigentlichen […]

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Codiertes Sprechen in Dichtung und Alltag

Feature von Almut Schnerring und Sascha Verlan
SWR2 am 19. Januar 2016, 22-23 Uhr

Akrostichon, Palindrom, Anagramme und adamische Sprachen – die Geschichte der Dichtkunst, insbesondere der Lyrik ist voller verborgener, verschlüsselter Botschaften. Aber auch im alltäglichen Sprachgebrauch haben Menschen immer wieder Systeme und Strategien entwickelt, um ihre eigentlichen Botschaften für nicht Eingeweihte zu verschlüsseln: Rotwelsch und Verlan, Lebber Talep, Cockney Rhyming Slang oder die Be- oder O-Sprachen der Kinder. Was bringt Menschen dazu, eigene Sprachsysteme zu erfinden? Welche sozialen und literarischen Motive werden da wirksam? Gibt es Überschneidungen zwischen literarischen Kunstsprachen und den Codes marginalisierter sozialer Gruppen? Und wie wirken diese Kunstsprachen zurück auf unser alltägliches Sprechen?

–> podcast nach Sendetermin auf den Seiten des SWR

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andere Radiofeature aus der Wort & Klang Küche

bobel

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Lies doch mal vor! https://training-bonn.de/2015/11/lies-doch-mal-vor/ Tue, 10 Nov 2015 10:32:54 +0000 https://training-bonn.de/?p=479 Am 20.November 2015 findet der 12. bundesweite Vorlesetag statt. (Jedes Jahr am dritten Freitag im November ) „Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wurde, werden häufiger als fröhlich und selbstbewusst beschrieben als Kinder, denen nur selten oder nie vorgelesen wurde (93 bzw. 75 Prozent vs. 59 bzw. 44 Prozent). Vorlesen stärkt aber nicht nur die Kinder selbst, […]

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Am 20.November 2015 findet der 12. bundesweite Vorlesetag statt. (Jedes Jahr am dritten Freitag im November )

„Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wurde, werden häufiger als fröhlich und selbstbewusst beschrieben als Kinder, denen nur selten oder nie vorgelesen wurde (93 bzw. 75 Prozent vs. 59 bzw. 44 Prozent).

Vorlesen stärkt aber nicht nur die Kinder selbst, sondern auch die sozialen Beziehungen, in denen sie leben. Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wurde, sind häufiger darum bemüht, andere zu integrieren, als Kinder, denen nur selten oder nie vorgelesen wurde (40 vs. 17 Prozent).“  –  Vorlesestudie 2015

Studienleiterin Simone Ehmig (Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen) sagt, die Bedeutung des Vorlesens sei unabhängig vom Bildungshintergrund der Familien nachweisbar: „Tägliches Vorlesen unterstützt Kinder auch dann in ihrer Entwicklung, wenn die Eltern kein Abitur und keinen Hochschulabschluss haben“.

Wer sich interessiert für Betonung, Pausen, Blickkontakt ist herzlich eingladen:

Am 21. November, Workshop in Bonn

„Texte erarbeiten – Texte vortragen“

Sprechtempo, Stimmklang, Melodie – was wir im Privaten, bei Gesprächen zwischen Tür und Angel kaum beachten, rückt in den Fokus, wenn es um eine Rede oder Präsentation geht. In diesem Workshop experimentieren wir mit sprecherischen
Gestaltungsmitteln, um herauszufinden, wie sich Inhalte verändern, wenn Lautstärke, Pausen oder Sprechmelodie anders eingesetzt werden. Wir lesen Gedichte, Nachrichten, Essays etc., um zu erfahren, wie sich Inhalte und Stimmungen so vermitteln lassen, dass das Publikum gerne zuhört.

Alle, die Praxiserfahrung im Vortragen sammeln wollen und Spaß daran haben, mit Wort und Klang zu arbeiten, sind willkommen. (Bringen Sie gerne einen kurzen Text mit, an dem Sie üben möchten.)

Ort: Bildungswerk Kulturgut in der Brotfabrik Bonn-Beuel

Anmeldung und Kontakt: *Brotfabrik*

 

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